A poem that touched me / Ein Gedicht, dass mich berührte
My soul is in a hurry
I have counted my years and realized that I have less time to live than I have lived so far.
I feel like this child, that received a box of candies: after fast indulging the first ones, all the sudden realizing, that there are not so many left, and those should be better appreciated and truly enjoyed.
I do not have time for endless gatherings where statutes, rules, processes, and internal regularities are discussed, knowing, that nothing will be achieved.
I don’t have time anymore to bear absurd people, who despite their age have not grown.
I don’t have time anymore to fight the mediocrity.
I don’t want to participate in conversations, where inflated egos are parading.
I can’t stand manipulators and opportunists.
I am annoyed by those envious people, who seek to discredit the most able, in an attempt to take over their position and seize their talent and success.
My time is too short to discuss headlines. I’m aiming for the essential, as my soul is in a hurry. Not so many candies left.
I like to live with humans, who are very humane. Humans, who can laugh about their mistakes and are not terribly conceited about their success. Humans, who don’t feel prematurely appointed and humans, who take responsibility. Humans, who defend human dignity and who are willing to stand for the truth and uprightness. It is that, what makes a life worth living.
I want to surround myself with people, who understand, how to touch the hearts of others. People who have learned through life’s hard punches to grow by tender touches of the soul.
Yes indeed – I’m in a hurry. I’m in a hurry to live with the intensity only maturity can offer.
I try not to waste any of the sweets, which are still left. I’m sure, that they will be even more delicious, than those, I already enjoyed.
It is my goal to reach the end – contended – in peace with myself, my loved ones and my conscience.
We have two lives and the second begins when you realize that you have only one.
Mário de Andrade, 1893-1945 (Brazilian music researcher and writer)
Meine Seele hat es eilig
Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.
Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: Die ersten isst es mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig sind, beginnt es sie wirklich zu genießen.
Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.
Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen, die ungeachtet ihres Alters nicht gewachsen sind.
Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeit zu kämpfen.
Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren.
Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten.
Mich stören die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihrer Positionen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.
Meine Zeit ist zu kurz, um Überschriften zu diskutieren.
Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne viele Süßigkeiten in der Packung.
Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind. Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden. Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen. Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten. Es ist das, was das Leben lebenswert macht.
Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren. Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.
Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.
Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden.
Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden als die, die ich bereits gegessen habe.
Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.
Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.
Mário de Andrade, 1893-1945 (brasilianischer Musikforscher und Schriftsteller)